Tiergestützte Therapie – Die heilende Wirkung der Tiere

Tiergestützte Therapie, ein Heilungspotential was es leider noch nicht über direktem Wege auf Rezept gibt. Tierbesitzer können wohl nachvollziehen, welch heilende und beruhigende Wirkung Tiere auf einen haben können. Man kommt gestresst nach Hause, unsere Haustiere empfangen uns mit Freude und voller Liebe und wenige Momente später sinkt der Stresspegel um einiges. Ich selbst bin immer wieder verblüfft, wie heilend Tiere auf mich und andere Menschen wirken.

Im Kontakt zu Tieren bin ich im Moment, gefüllt von Liebe und Akzeptanz.

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus und der Erfahrung als Fachkraft für Tiergestützte Intervention, bin ich überzeugt davon, dass diesem Feld viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Tiere holen uns zurück aus unserer Entfremdung der Natur.

Ich stelle immer wieder fest, dass die Allgemeinheit mit dem Begriff Tiergestützte Therapie nichts anfangen kann. So folgt meinerseits meist direkt eine Begriffserklärung. Vielen Menschen ist die Delphintherapie, bei welcher sich mir alle Haare aufstellen, bekannt. Delphine sollten nicht in Gefangenschaft gehalten werden, sondern in ihrem Lebensraum dem Ozean leben. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Tiergestützte Therapie beinhaltet viel mehr als die nicht weniger bekannte Reittherapie. Es gibt unzählige Konzepte und Möglichkeiten. In diesem Artikel möchte ich gerne etwas mehr Licht in das Feld der Tiergestützten Arbeit bringen, welches auch zunehmendes Interesse der Wissenschaft erweckt. Was ist Tiergestützte Arbeit? Welche Wirkung wird erzielt und was steckt dahinter? Worauf ist zu achten? Welche Konzepte gibt es?

„Tiere können Impulse für einen heilenden Prozess in uns geben“ (Otterstedt, 2011) 

Dem urbanen Lebensstil entgegen, erfreut sich die sogenannte Green Care Bewegung wachsender Beliebtheit. Darunter fällt unter anderem die Tiergestützte Arbeit, welche sich die Interaktion von Mensch und Tier zunutze macht, um therapeutische und pädagogische Erfolge zu erlangen.

Dabei ersetzen die Tiere nicht die Therapeuten oder Pädagogen, sie wirken als „soziale Katalysatoren“ oder „Brücken“.

Tiere können Impulse für einen heilenden Prozess in uns geben“ (Otterstedt, 2011). Es wird oft unter Tiergestützte Therapie, Tiergestützter Pädagogik und Tiergestützter Förderung unterschieden. Allen Begriffen liegt die Mensch-Tier Beziehung zugrunde. Stammesgeschichtlich waren Mensch und Tier zunächst eng verbunden, im Laufe der Entwicklung fand der Mensch jedoch nach und nach zu seiner eigenen Identität.

Die heilsamen Wirkung der Tiere auf den Menschen ist vielseitig. Der Kontakt zu Tieren oder auch schon ihre bloße Anwesenheit bringen nachweislich positive Effekte, auf sozialer als auch auf psychologischen und physiologische Ebene, mit sich.

Die wohl bedeutsamste Wirkung der Tiere auf den Menschen liegt wohl in ihrer uneingeschränkten Akzeptanz für uns.

Tiere akzeptieren den Menschen in der Regel ohne Bedingungen, d.h. sie werten nicht nach gesund oder nicht gesund, Nationalität, gesellschaftlichen Vorgaben oder Aussehen. Tiere sehen deine Seele, dein Wesen, dein Herz und suchen unvoreingenommen den Kontakt. Sie nehmen dich so an wie du bist und sind damit dem Menschen um sehr viele Schritte voraus.

Tiere fördern Empathie bzw. empathisches Verstehen, reduzieren Angst und Aggression…

Wissenschaftliche Studien belegen, dass zahlreiche positive Effekte auf die Interaktion mit bzw. auf die Anwesenheit von Tieren zurückzuführen sind. Es wurde festgestellt, dass Tiere eine blutdruck- und herzfrequenzsenkende Wirkung haben, zu einer Reduktion von Depressionen und damit einher einem besseren Wohlbefinden beitragen, Empathie bzw. emapthisches Verstehen verbessern, Angst reduzieren, zu weniger Arztbesuchen und einer Medikamentenreduzierung beitragen, Aggression reduzieren sowie die Lernfähigkeit verbessern. Dies sind nur einige von vielen Ergebnissen, die aus wissenschaftlichen Studien stammen.

Tiere wirken als soziale Katalysatoren, kommt man doch mit einem Hundebesitzer über seinen Hund schnell ins Gespräch.

Während meiner Zeit in Australien habe ich, mit Georgie dem Schwein und Paddi dem Schaf, Besuche im Altenheim durchgeführt. Die Stimmung im Aufenthaltsraum, in welchen uns die Bewohner im Stuhlkreis erwarteten, änderte sich mit unserer Anwesenheit immer schlagartig. Leute begannen miteinander zu reden.Besuch im Altenheim

Erinnerungen wurden geweckt, die Motorik wurde angeregt.

Die ganze Energie in dem Raum hat sich verändert.

Beeindruckend für mich war jedesmal aufs Neue das Verhalten von den Tieren, ob Schwein, Schaf, Pony oder Hund. Man konnte regelrecht beobachten, dass sich das Tier individuell auf den Menschen gegenüber eingestellt hat. Das Tier weiß oft intuitiv „wie weit“ es gehen kann.

Eine von vielen weiteren Erklärungsmodellen zu den positiven Wirkungen der Mensch-Tier-Beziehung stellt das Hormon Oxytocin dar. Dieses wunderbare Hormon reguliert und steuert unser Sozialverhalten, Blutdruck und Herzfrequenz, Schmerz, Empfindungen sowie die Aktivität des autonomen Nervensystems und damit einhergehend Angst, Stress und Vitalfunktionen wie Atmung, Verdauung und Stoffwechsel.

Oxytocin wird bei der Geburt, beim Stillen, nach sexueller Begegnung und (jetzt wirds spannend) bei taktilen Reizen, wie zum Beispiel Streicheln eines Tieres freigesetzt. Langanhaltende, positive Beziehungen von Mensch und Tier führen zu wiederholten Freisetzung von Oxytocin und ermöglichen somit anhaltende Effekte, die sich wiederum positiv auf die Gesundheit auswirken.

Tiergestützte Therapie – Da wird dem Abteilungsleiter erstmal gezeigt, dass man mit brüllen, zerren und Druck bei einem Esel so gar nichts erreicht

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Konzepte im Beriech der Tiergestützten Therapie, die sich an die unterschiedlichsten Menschen richten. So gibt es Einsätze angefangen mit Kleintieren, wie Kaninchen und Meerschweinchen, über Gänse und Hühner, Katzen, Hunde, Esel, Pferde als auch mit landwirtschaftlichen Nutztieren wie Kühe, Schweine und Schafe.

Es besteht die Möglichkeit von mobilen Tiereinsätzen wie Tierbesuche in Altenheimen, Krankenhäusern, Schulen, Psychatrien. Desweiteren existieren sogenannte Begegnungshöfe, Jugend- und Stadtteilfarmen, Schul- und Kindergarten-bauernhöfe als auch Einrichtungen für Suchtkranke, Jugendliche mit besonderem Betreuungsbedarf mit einem integrierten Bauernhof, bis hin zu Konzepten des Management Coachings mit Tieren.

Da wird dem Abteilungsleiter erstmal gezeigt, dass man mit brüllen, zerren und Druck bei einem Esel so gar nichts erreicht. Den Führungskräften wird eine klare Kommunikation und vor allem Ruhe abverlangt. Der Phantasie im Einsatz der Tiergestützten Arbeit sind kaum Grenzen gesetzt.

Leider ist der Begriff der Tiergestützten Therapie noch nicht staatlich geschützt. Somit kann quasi jeder Mensch Tiergestützte Therapie anbieten. Ich bin mir sicher, dass unter all den Anbietern die Mehrheit eine wertvolle Arbeit leistet. Jedoch kann ich aus Erfahrung sagen, dass eine Weiterbildung viele Bereiche anspricht, auf die man von selbst manchmal nicht  kommt.

Somit gilt für den Laien zu erkennen, wem kann ich vertrauen und wem nicht? Worauf ist zu achten?

Deutschlandweit gibt es mittlerweile einige Anbieter, die eine Weiterbildung im Bereich der Tiergestützten Arbeit anbieten. Diese geht meist länger als ein Jahr, ist sehr umfangreich und beinhaltet Themengebiete wie zum Beispiel Konzepte in der Tiergestützten Arbeit, Hygienevorschriften, Rechtsvorschriften, Tierschutz, Tierhaltung, Schmerzerkennung und vieles mehr.

Qualifizierte Fachkräfte sind ESAAT (European Society for Animal Assisted Therapy) oder ISAAT (International Society for Animal Assisted Therapy) zertifiziert. Diese Titel bieten eine Sicherstellung von Qualitätsstandards ausgerichteten und tierethisch vertretbaren Ausbildungen.

Der Einsatz von Tieren erfordert eine gute Struktur und Planung

Die wohl bedeutendste Rolle in der Tiergestützten Therapie nehmen die Tiere selbst ein. Der Einsatz von Tieren erfordert eine gute Struktur und Planung sowie ein fundiertes Wissen, unter anderem im Bereich der Tierhaltung, Tiertraining, artspezifische und individuelle Tierverhaltensweisen und -bedürfnissen, Hygiene und rechtliche Grundlagen.

Eine artgerechte Haltung und ein artgerechter Umgang sind die Grundlage für eine gute Mensch-Tier-Beziehung und einen guten Tiergestützten Einsatz.

Dies erfodert gute Kenntnisse über die Tierart, des Verhaltens (Sprache) und deren Pflege.

Für viele stellt das eine Selbstverständlichkeit dar, denkt ihr. Für die Mehrheit wahrscheinlich schon. Leider gibt es aber auch einige Fälle in denen die Tiere in den Hintergrund geraten, sehr gestresst sind, ihnen nicht genug Ruhepausen gewährt werden, sie über ihre Limits gehen müssen und sie nicht artgerecht gehalten werden.

Diese Bitte geht somit an die Angebotsnehmer.

Tiere sind keine Maschinen, sie haben genauso wie wir gute als auch schlechte Tage und ich möchte um das Verständnis bitten, dass das Wohl des Tieres an erster Stelle steht. Dies kann damit einhergehen, dass ein Einsatz dann doch mal spontan abgebrochen oder abgesagt werden muss.

Wie in vielen Dingen ist auch hier auf unser Bauchgefühl zu hören. Machen die Tiere, ihre Besitzer und deren Beziehung zueinander einen guten Eindruck auf uns, dann können wir meist dieser Intuition trauen. Stellt lieber eine Frage zu viel als zu wenig und stellt sicher, dass das Tier nicht im Dauereinsatz ist.

Zu guter letzt noch ein paar interessante Internetseiten und Infos rund um die Tiergestützte Arbeit.

Über das Netzwerk der Begegnungshöfe und den Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze e.V. lässt sich mit Sicherheit ein Begegnungshof oder eine Jugendfarm in eurer Nähe finden. Die Stiftung Bündnis Mensch und Tier gibt gute Einblicke im Bereich der Tiergestützten Arbeit und dem Tierschutz. Desweiteren ist in diesem Bereich der Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft zu empfehlen, hier werden zusätzlich Lehrmaterialien zu den unterschiedlichsten Tierarten zur Verfügung gestellt.

Außerdem kann ich die Fachzeitschricht „tiergestützte“ empfehlen. Hier durfte auch ich meinen Bericht über meine Erfahrung als Schweineflüsterin in Australien veröffentlichen. Einen Überblick über wissenschaftliche Berichte sowie alle ISAAT/ESAAT zertifizierten Ausbildungsplätze bietet das Portal tiergestützte-therapie.de. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e.V. (BAGloB) verbindet die Landwirschaft mit Tiergestütztem Einsatz und erfüllt die Anforderungen der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Habt ihr noch Fragen zum Thema Tiergestüzte Therapie? Gerne stehe ich euch für weitere Fragen zur Verfügung.

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Tiere haben eine heilende Wirklung auf den Menschen. Das Feld der Tiergestützten Intervention gewinnt zunehmend an Popularität. Tier und Mensch werden zusammengeführt und führen zu großartigen Heilergebnissen. Es herscht jedoch auch noch viel Unklarheit in diesem Feld. Was ist Tiergestützte Therapie? Welche Möglichkeiten gibt es? Wie ist die WIrkung zu erklären ? Worauf ist bei einem Einsatz zu achten und wie erkenne ich ein gutes Mensch-Tier-Team? Mehr Aufschluss gibt es im Artikel...

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