Vom Suchen und Finden auf Bali – Eine Woche im Yoga Retreat

Bali.

Auch ich war geprägt durch die Bilder aus dem Film Eat Pray Love. Julia Roberts fährt mit ihrem Fahrrad durch die idyllischen Reisfelder und findet sich selbst und ihre Liebe.

Klingt ja schonmal ganz gut.

Bali, eine Insel bekannt durch ihre Spiritualität. Ursprünglich stand die Idee im Raum mich nach meinem Auslandsjahr in Australien mit meiner erprobten Reise-partnerin auf Bali zu treffen. Entwickelt hat es sich anders, weil immer alles genau so sein soll wie es ist.

Die Zeichen standen resistent auf Bali

Bali als Reiseziel an sich blieb irgendwie präsent. Egal ob ich in Melbourne, Tasmanien, Byron Bay oder Sydney war, überall berichteten mir Menschen von Bali. Die meisten waren bereits selbst häufig da gewesen und erzählten mir von der Balimagie – die Mutterinsel der Spiritualität – dass man vorsichtig sein soll was man sich auf Bali wünscht, denn es würde wahr werden.

Bali calling.

Die Zeichen standen also irgendwie resistent auf Bali und die Liste der Bali Tipps angefangen von A wie „Auf jeden Fall musst du,…“ über H wie „Heiler xyz solltest du unbedingt sehen“ bis hin zu Z wie „Zauber der Inselzeremonien“ wurde immer länger.

Als im September klar war, dass ich Ende des Jahres für einen Kurzbesuch zurück nach Deutschland muss, habe ich vorgesorgt und mit meinem Flug nach Deutschland ebenso einen Rückflug nach Bali gebucht. Insgesamt war ich sieben Wochen in Deutschland, lange genug um erneut einen ordentlichen Haufen an Zweifeln und Ängsten aufzubauen.

Es hatte sich so zugespitzt, dass ich bis einige Tage vor Abflug sogar stark angezweifelt hatte, ob ich überhaupt in den Flieger nach Bali steige.

Ich hatte Panik!

Einige Wochen zuvor hatte ich noch in einem Interview gesagt, dass Angst mein Wegweiser ist. Ich war so ungeerdet, dass die Angst fast gesiegt hätte.

In den Flieger gestiegen bin ich dann nun aber doch…zum Glück. Kurz vor Abflug standen die Zeichen auch wieder mehr auf Bali und das Universum hat ordentlich Gas gegeben und mir zahlreiche Balihinweise zugesandt.

Zwei Tage vor meiner Abreise war ich noch bei einer Klangmassage, diese beinhaltete zum eine kurze Gongsession und darauffolgend ein „Spiel“ auf einer Klangliege (Bei Bedarf gebe ich hierzu gerne mehr Infos via Email).

Die Sitzung war sehr intensiv und ich war danach sehr bei mir und klar. So bin ich nach Hause gefahren und habe direkt einen Weiterflug von Bali nach Australien gebucht, da mir zuvor gesagt wurde ich müsste bei meiner Einreise einen Weiterflug vorzeigen. In diesem Moment habe ich keinerleri Zweifel verspürt, sonder fast wie gesteuert das für mich in diesem Moment einzig richtige durchgeführt.

Dieses Gefühl hat sich auch nicht geändert.

Nun war mir auch klar, warum einige Tage zuvor meine Flugbuchung von Bali nach Vietnam nicht funktioniert hatte, weil ich dort eben nicht hinfliegen sollte. Somit stand also auch meine Aufenthaltsdauer auf Bali fest…3,5 Wochen.

Geschlafen haben wir in der zweiten Ebene

Wirklich vorbereitet hatte ich mich nicht. Ein wenig im Reiseführer gestöbert, meine ersten beiden Nächte in Sanur gebucht und am dritten Tag wollte ich mich mit einer Freundin aus Berlin, die zufällig auch gerade auf Bali war, in Ubud treffen.

Für zwei Tage hatten wir uns im Vorfeld im Birdnest (siehe Bild) eingebucht und wollten danach schauen, ob wir noch Zeit miteinander verbringen wollen oder lieber jeweils alleine weiterreisen wollen.

Die Übernachtung im Birdnest kann ich übrigens nur empfehlen, es war ein Abenteuer, im Einklang mit der Natur! Unbedingt wollte ich die Gili Islands und Nusa Penida erkunden, „muss“ man ja schonmal machen, wenn man auf Bali ist. Achja und vor allem wollte ich viel Yoga praktizieren. Tja, gekommen ist natürlich mal wieder nicht alles, aber vieles anders als geplant.

Ich muss sagen, die erste Woche auf Bali war schwierig. Wirklich angetan war ich nicht, eher abgetan. Ich hatte zwar irgendwie viel Tourismus erwartet, aber in diesem Ausmaß dann irgendwie doch nicht.

Das kleine romantische Ubud, so wie es in meiner Vorstellung existierte, hatte mich anfangs am meisten geschockt. Ob es an meinen wirklich sehr hohen Erwartungen lag, die ich an Bali hatte, wer weiß.

Meine Freundin aus Berlin kam gerade frisch aus einem einwöchigen Yoga-Retreat und hat mir ans Herz gelegt mich dort auch einzubuchen. Ich zögerte etwas, aber ihre Erzählungen und der Preis war unschlagbar.

Ich hab mich eingebucht.

Da ich ja immer predige sich dem Guten zu widmen belasse ich es hiermit mit dem Gemotze! Mein Aufenthalt auf Bali war trotzdem genau richtig, ich bin sehr dankbar für die Zeit, ich habe viel, viel neues gelernt, tolle Menschen kennengelernt und bin froh dort gewesen zu sein. Nach dieser langen Einleitung komme ich nun endlich zu meinem ganz persönlichen Bali Highlights.

Eine Woche Yoga-Retreat

Die Woche im Shanti Toya war wohl mein absolutes Highlight. Ich dachte, ich werde viel Ruhe, vor allem Stille und Zeit für mich haben, um mir über einige Dinge klar zu werden und vor allem über meine nächsten Monate. Letztendlich hatte ich gar nicht soviel Ruhe und Zeit für mich, die Klarheit kam trotzdem, vor allem durch gemeinsame Gespräche und die daraus folgenden Kenntnisse. Geteilt habe ich mein Zimmer mit der wundervollen Laura aus Kanada. Kennengelernt haben wir uns während einer Wanderung zum Gipfel des Vulkans Gunung Batur. Ich hatte ihr von meiner bevorstehenden Retreat-Woche und vor allem dem unschlagbaren günstigen Preis erzählt. Schwupsdiwupp hat sie sich auch eingebucht. Insgesamt waren wir sieben Teilnehmer.

Ich hatte mir Yoga für meine Zeit auf Bali gewünscht und jede Menge Yoga bekommen

Shanti Toya war ursprünglich ein Ashram und liegt ca. 30 Minuten südwestlich von Ubud in einem kleinen ruhigen Dorf, weit ab vom Tourismus. Man kann sich kaum einen besseren Ort zum runterkommen vorstellen.

Yoga-Shala Die Anlage liegt auf einem Hügel. Am Gipfel angefangen befindet sich der Speisesaal in welchem wir dreimal am Tag mit vegetarischem Essen versorgt worden sind. Vorbei an mehreren Bungalowanlagen, die Unterkünfte für dir Retreatteilnehmer, gelangt man zu der hochgelegenden Yoga-Shala. Jeden morgen um 7 Uhr und nachmittags um 16 Uhr haben wir uns dort für unsere Yogastunden versammelt. Auch die meisten anderen Veranstaltungen haben hier stattgefunden. Folgt man den Stufen weiter abwärts gelangt man schließlich zum Pool. Umgeben von der Schönheit der Natur kann man sich Während man sich auf dem Rücken treiben lässt, kann man die vorbeiziehenden Wolken und Palmenblätter bewundern oder auch mal ein im Wasser landendes Insekt, welches einen Parasiten ausscheidet (Was einem das wohl zu sagen hat!?).

Ich hatte mir Yoga für meine Zeit auf Bali gewünscht und jede Menge Yoga bekommen. Gelernt habe ich unheimlich viel, wir hatten aber auch eine unglaublich tolle Lehrerin, die auf jeden sehr individuell eingegangen ist. Sie hat uns viel zugetraut und vertraut und somit haben wir alle auch uns selbst mehr vertraut. Der Lerninhalt dieser Woche war wirklich essentiell für mich und darüber bin ich unendlich dankbar. Vor allem sich selbst nicht zu sehr zu pushen, war wirklich nochmal wichtig für mich zu verinnerlichen. Es geht bekannterweise beim Yoga natürlich nicht darum irgendwelche akrobatischen Posen zu können, nichts desto trotz habe ich mich wie ein kleines Kind gefreut, wenn ich doch eine Pose hinbekommen habe, bei welcher man zuvor dachte…niemals kann ich das machen.

Neben dem abwechslungsreichen Mix an unterschiedlichen Yogaklassen gab es auch einige andere Programmpunkte. Zum einen beinhalteten diese balinesische Traditionen sowie auch Chakratanz, Mantrachanting und der wohl intimste und intensivste Programmpunkt Satya.

Satya ist eine von fünf Yamas. Yama aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet Selbstkontrolle, Enthaltung und ist die erste von acht Stufen des Raja Yoga, welches die Entwicklung und Beherrschung des Geistes anstrebt. Zurück zum Satya, dies bedeutet Wahrhaftigkeit/Wahrheit und somit in Worten, Taten und Gedanken stets wahrhaftig zu sein und stets die Wahrheit zu sagen. Satya bedeutet vor allem auch zu bedenken was wir sagen und auf welche Weise es jemanden treffen kann. Somit ein bewusster Umgang mit Worten und Gedanken (Quelle Wikipedia).

Keine Wertung oder Analyse, nur Sprechzeit.

Insgesamt hatten wir zwei Satya in dieser Woche. Wir haben uns kreisförmig hingesetzt und unsere Yogalehrerin hat die Gruppe geleitet. Sie stellte eine Frage und hat diese dann als erste beantwortet, wenn sie fertig war legte sie ihre Hand auf das Bein ihrer linken Nachbarin, um ihr ein Zeichen zu geben, dass sie fertig ist. Wenn man nichts sagen wollte hat man einfach ausgesetzt und dieses dann seinem linken Sitznachbar zu erkennen gegeben. Jeder hatte soviel Sprechzeit wie er wollte und währendessen durfte niemand anderes sprechen. Keine Wertung oder Analyse, nur Sprechzeit. Die Fragen gingen relativ leicht los und gingen dann doch ganz schön ans Eingemachte.

Fragen, die zum Nachdenken anregen.

Fragen die tiefen Schmerz offenlegen und zeigen, dass jeder sein ganz eigenes Päckchen trägt.

Natürlich ist einem das irgendwie auch schon vorher bewusst, sitzt man nun aber in solch einem Kreis und ist Zuhörer hat das nochmal eine ganz andere Wirkung. Ich empfinde es als sehr schön, dass Menschen auf einmal so offen sind, ihre Maske ablegen, die wir uns so gekonnt aufgelegt haben. Es verbindet unheimlich und wirft die Frage in den Raum warum sich im „wahren“ Leben so wenige Menschen wirklich öffnen und ihren Schmerz teilen. Es zeigt vor allem mal wieder, wie selbstkritisch und streng jeder einzelne mit sich selbst ist.

Wir selbst sind meist unsere stärksten Kritiker anstatt unser größter Fan zu sein.

Oft denken wir viel zu negativ über uns selbst. Wir vergleichen uns mit anderen, sind neidisch auf ihre positiven Charaktereigenschaften, ihr Job, ihr Leben und so weiter. So oft picken wir uns bei anderen immer nur das Positive raus, fokussieren uns auf Dinge wie wir nicht sind, was wir nicht haben, aber vielleicht gerne seien würden oder selbst gerne in unserem Leben haben würden.

Das Ergebnis dabei kann ja nur sein, dass wir uns minderwertig vorkommen. Dabei sind wir alle großartig wie wir sind und auch nur ein Punkt des Ganzen, denn genauso wie wir, gibt es wiederum andere Menschen, die die tollen Eigenschaften und Lebensweisen an uns rauspicken, die so wundervoll und einzigartig sind, die sie eben gerne haben würde. Nur das wir sie eben meist an uns selbst nicht sehen. Für mich hat Satya sehr reinigend gewirkt, natürlich sind auch ein paar Tränen geflossen. Ich habe viele neues Erkenntnisse gewonnen.

Satya - Sprich deine Wahrheit! Dies war nur ein Programmpunkt während meines Yoga-Retreats auf Bali. Die Fragen gingen teilweise richtig ins Eingemachte. Es wurden viele Schmerzen offengelegt, Ängste geteilt und neue Erkenntnisse gewonnen. Warum sind wir immer so streng zu uns selbst. Was bringt uns das eigentlich? Sei dein größter Fan!!

Bei all den Programmpunkten gab es zwar immer Zeit für uns, meist war man irgendwie aber trotzdem nicht allein. Plötzlich bekam ich den Impuls den Sommer über in Europa zu verbringen und einen Saisonjob, am liebsten am Meer ausfindig zu machen. Dieser Impuls hat sich ziemlich gut und richtig angefühlt und nicht mal eine Woche später schon Wurzeln gegeschlagen (sagt man das so?). Zudem kristallisierte sich immer mehr heraus, dass ich unheimlich gerne eine Yogalehrerausbildung machen möchte, wo steht noch offen. Indien und Mexiko stehen derzeit hoch im Kurs, vielleicht ja aber sogar auch Deutschland oder Australien.

Im zweiten Baliteil folgt noch mehr Spirikram, meine Zeit nach dem Retreat in Ubud und Canggu, mein Besuch bei einem Heiler und noch viel mehr. Für heute möchte ich euch erst einmal entlassen. Wie ginge dies besser als mit ein paar Satya Fragen. Namaste.

Was belastet dich momentan?
Wie kannst du liebenswürdiger zu dir selbst sein?
Was bringt dich zum lachen/macht dich glücklich und wie kannst du es mehr in dein Leben bringen?
Wann fakest du/bist du nicht ehrlich/hast du eine Maske auf?
Welche bestärkenden Worte würdest du dir selbst als gute Freundin sagen?
Was nervt dich bei anderen Menschen am meisten und was spiegelt das in dir?
Was ist deine größte Angst?  

 

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Yoga-Retreats auf Bali gibt es an jeder Ecke. Die Nachfrage ist rießig und die verlangten Preise auch. Letztendlich habe ich ein Retreat in einem schönen Dorf ab vom Tourismus und ab von den Tourismuspreisen gefunden. Meine Zeit im Retreat war mein Highlight meines ganzen Baliaufenthaltes.

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